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Cannabisprodukte – medizinischer Segen oder Drogenproblem?

Cannabisprodukte – medizinischer Segen oder Drogenproblem?

Wenn sich die politischen Parteien streiten, dann steckt nicht selten Cannabis dahinter. Seit Jahren wird mittlerweile darüber debattiert, ob bestimmte Cannabisprodukte nicht aus der Illegalität herausgenommen und frei zugänglich gemacht werden sollten. In einigen Bereichen ist das bereits der Fall, denn mit speziellen Rezepten können schwer erkrankte Personen das medizinische Cannabis für sich nutzen. Das typische Marihuana hingegen ist weiterhin illegal. Was viele Menschen jedoch nicht wissen, ist dass es durchaus unzählige Cannabisprodukte gibt, die längst schon frei verfügbar sind – sie haben nur einen markanten Unterschied: Sie weisen kein THC auf.

Medizinisches Cannabis – pro und contra

In anderen Ländern ist die Gabe von Cannabis durchaus schon länger üblich. So erhalten bestimmte Bewohner von Altenheimen in Israel jeden Morgen einen Cannabisjoint, da die Inhaltsstoffe rheumatischen Schmerzen und Depressionen entgegenwirken. Die Gabe von Schmerzmitteln und anderen Medikamenten konnte so deutlich eingeschränkt werden. Und auch in Deutschland ist es nun möglich, auf Rezept der Krankenkassen Cannabis aus der Apotheke zu erhalten. Aber nur unter Umständen:

  • Wann – der Arzt selbst entscheidet, ob die Cannabisbehandlung angeraten ist oder nicht. Grundsätzlich müssen Patienten jedoch in eine von fünf Gruppen fallen: Chronische Schmerzpatienten wie Phantomschmerz oder Migräne, Patienten mit neurologischen Krankheiten (Epilepsie oder MS), Patienten mit psychiatrischen Erkrankungen (schwere Depression, ADHS), Patienten mit chronisch-entzündlichen Erkrankungen (Rheuma) und Patienten, die unter Übelkeit aufgrund von Krebs oder HIV leiden.
  • Schwere – die Krankheitsbilder selbst sind vom Gesetz nicht festgelegt. Ärzte dürfen jedoch nur Cannabis verschreiben, wenn die jeweilige Krankheit schwer ausgeprägt ist und andere Medikamente keine Wirkung zeigten.
  • Wirkung – beim medizinischen Cannabis kommt es vor allem auf die Inhaltsstoffe THC und CBD an. Die Inhaltsstoffe wirken entspannend und schmerzlindernd, regen aber auch den Appetit an. Das CBD wirkt zudem antiepileptisch und antipsychotisch. Andere Inhaltsstoffe des Cannabis scheinen sich zudem krebshemmend auszuwirken.

Dennoch wird auch das medizinische Cannabis in Deutschland massiv diskutiert. Die Frage ist, ob durch das Rauchen des Joints nicht direkt ein Drogenproblem heraufbeschworen wird. Wenn die Länder betrachtet werden, in denen Cannabis ohnehin schon frei erhältlich ist, zeigt sich ein interessantes Bild. Denn in den USA stieg zwar der private Konsum an, gleichzeitig sanken aber die Fälle von Überdosen und Todesfällen aufgrund verunreinigter Stoffe. Bei schweren und chronischen Erkrankungen überwiegen generell die Vorteile der Verordnung, da Patienten oft wesentlich geringere Nebenwirkungen haben und ein neues Stück Lebensqualität erhalten.

Cannabisprodukte – eine Auswahl

Wenn von Cannabis die Rede ist, denken die meisten Menschen automatisch an Marihuana, Joints und Drogen. Dabei ist das Produkt selbst, also der Hanf, seit Jahrtausenden ein gebräuchliches Produkt. Und auch andere aus der Pflanze gefertigte Produkte sind durchaus erhältlich. So gibt es in den USA beispielsweise Kaffeekapseln oder Kaffeepads mit Cannabis. Einige Beispiele:

  • Shampoo – es gibt ein spezielles Cannabisshampoo, welches geringe Mengen THC enthält. Die Wirkstoffe stärken das Haar und schützen mitunter vor Haarausfall.
  • Lotionen – im Sportbereich gibt es Lotionen, die auf müde und wunde Muskelpartien aufgetragen werden können. Auch diese Lotion besitzt THC, jedoch in einer geringen Menge.
  • Lippenpflege – perfekt für Wintersportfreunde ist der Lippenbalsam aus Cannabis. Die Inhaltsstoffe beugen spröden Lippen vor und helfen, geschädigte Lippen wieder zu heilen.
  • Honig – Cannabishonig ist beinahe schon ein Klassiker. Er vereint die Vorteile von Honig und Cannabis miteinander.
  • Cannabisöl – das Öl wird aus verschiedenen Teilen der Hanfpflanze hergestellt, enthält aber keinerlei Spuren aus den Samen der Pflanze. Das Öl kann bei akutem Stress oder Depressionen genutzt werden oder auch bei Essstörungen eingesetzt werden. Da die Cannabinoide sich positiv auf das Verdauungssystem und Hormonhaushalt auswirken, kann das Hungergefühl gesteigert werden. Auch auf die Augen, das Herz und nicht zuletzt auf das Schmerzempfinden wirkt sich Cannabisöl positiv aus.

In Naturkostläden gibt es mittlerweile eine breite Auswahl an Produkten, die aus der Cannabispflanze hergestellt werden. Gerade im Hautpflegebereich kommt Cannabis immer wieder zur Anwendung. Auch Naturheilpraktiker setzen in vielen Bereichen auf Produkte mit einem Anteil Cannabis. Diese Vorgehensweise lässt sich mit der Geschichte begründen, denn in früheren Zeiten war Cannabis eine durchaus gängige Heilpflanze.

Was ist in Deutschland davon legal?

Eine kurze Suche im Internet ergibt zumeist tausende Cannabisprodukte, die bestellt werden können. Allerdings ist das Internet grenzenlos und in anderen Ländern sind weit mehr Produkte legal, als in Deutschland. Bevor sich interessierte Kunden nun mit Cannabis eindecken und schließlich mit hochrotem Kopf beim Zoll stehen, sollte die Frage geklärt werden, was erlaubt ist – und was nicht:

  • Legal – hier geht es in erster Linie um den THC-Gehalt. Dieser muss unter 0,0005 Prozent liegen. Sämtliche Lebensmittel mit Hanf oder Öle aus der Pflanze dürfen maximal diesen Wert aufweisen.
  • Illegal – sämtliche Produkte mit einem höheren Wert dürfen in Deutschland nicht verkauft werden. Illegal ist natürlich der Kauf von Marihuana, sofern es nicht auf Rezept in der Apotheke erworben wird.

Die Sachlage könnte sich jedoch in der Zukunft ändern, da durchaus überlegt wird, Cannabis komplett zu legalisieren oder ein Vorgehen einzuführen, wie es beispielsweise in den Niederlanden gängig ist.

Die Legalität ist stets ein Faktor, der bei Cannabisprodukten bedacht werden sollte. Gerade im Bereich medizinischer Anwendungen ist die Gefahr hier jedoch eher klein.

Fazit – mit Vorteilen behaftet

Gerade im medizinischen Bereich ist die Nutzung von Cannabis eher vorteilhaft. Da die Therapie erst genutzt wird, wenn andere Versuche oder Medikamente fehlschlugen, ist hier auch keine Suchtgefährdung vorhanden. Für viele betroffene Patienten ist das Leben mit medizinischem Cannabis ein Segen, immerhin sind die Nebenwirkungen wesentlich geringer, als die anderer Medikamente. Und auch im pflegenden und Beautybereich zeigt sich die Cannabispflanze als nützlich. Hier wird jedoch weniger auf neue Erkenntnisse zurückgegriffen, sondern auf das Wissen unserer Vorfahren. Beim Kauf über das Internet sollten Nutzer jedoch immer genau hinschauen und prüfen, ob genau dieses Produkt auch in Deutschland legal ist.

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