Kredit
Kredit, Bild: nattanan23/Pixabay

Für Familie und Freunde Finanzprodukte vermitteln – darauf sollte man achten

Finanzprodukte und Finanztipps im Kreis von Familie und Freunden zu vermitteln, hält einige Fallstricke bereit. Bevor Empfehlungen ausgesprochen werden, sollte sich jeder über die damit einhergehenden Herausforderungen bewusst sein und die eigenen Grenzen kennen. Denn mit jeder Vermittlung gehen Risiken einher, die häufig unterschätzt werden. Sichere Varianten und objektive Ratschläge können hingegen immense Vorteile mit sich bringen.

Professionelle Beratung bevorzugen

Eine Plattform für die Vermittlung von Ratenkrediten zu empfehlen und damit den ersten Schritt für Familienmitglieder oder Freunde zu erleichtern, ist vollkommen legitim. Das gilt zumindest dann, wenn eine objektive und professionelle Bewertung erfolgt und der Eigenanteil damit nach der Vermittlung abgeschlossen ist. Eine Provision an der Empfehlung zu verdienen ist ebenfalls nicht verwerflich, solange das Produkt oder der Service wirklich überzeugen. An dieser Stelle sollte die Vermittlung allerdings enden, wenn persönliche Beziehungen bestehen. Eine Ausnahme stellen Personen dar, die selbst professionell im Finanzbereich tätig sind und dadurch einen umfassenden Überblick und entsprechenden Weitblick über die Sicherheit und die Entwicklungen des Marktes und der Möglichkeiten haben, zu sparen oder sicher und gewinnbringend anzulegen. Allerdings bestehen bereits hierbei einige potenzielle Probleme, die nicht vernachlässigt werden sollten. Dazu gehört in erster Linie die Nähe und die Vertrauensbasis, die zwischen Vermittler und Hilfesuchendem bestehen.

Weiterempfehlungen mit Vorsicht vornehmen

Sind Partner, Kinder, oder Freunde im finanziellen Beratungsbereich tätig, fallen Empfehlungen zuerst leicht. Schließlich ist hier zum einen eine Vertrauensbasis vorhanden. Zum anderen möchten viele zum Erfolg ihrer Lieben beitragen und verweisen daher auf ihre Dienste. Das bringt allerdings einige Risiken mit sich. Darunter fällt die Abwertung der Professionalität. Betreiben die eigenen Eltern immer wieder Schleichwerbung, erweckt das schnell den Eindruck fehlender Kompetenz und fehlender Kunden. Gleichzeitig werden andere Personen unter Druck gesetzt. Viele Menschen unterzeichnen bereits bei ihrem Bankberater, um ihm einen Gefallen zu tun. Wie es beim eigenen Cousin oder der Tochter der besten Freundin aussieht, ist nur zu erahnen.

Hinzu kommt der Druck, den manche Finanzberater vor allem am Anfang ihrer Karriere verspüren. Dabei können zunächst Empfehlungen und Vertragsabschlüsse erfolgen, die nicht optimal sind und revidiert werden müssen. Wurde der Vertrag nur aus einer scheinbaren emotionalen Verpflichtung heraus abgeschlossen, wiegen die Konsequenzen schwerer. Sie können zu Brüchen in der Familie und in Freundschaften führen und das Vertrauen infrage stellen. Nicht selten ist daran eine falsche oder übertrieben positive Kommunikation verantwortlich. Ähnlich einem Spiel von Stille Post kann eine Empfehlung für eine spezifische Zielgruppe zum vermeintlichen Geheimtipp für alle werden, der zwar gut gemeint war, aber schlecht übermittelt wurde. Unhaltbare Versprechungen und damit verbundenen Enttäuschungen sind dabei die geringeren Übel. Falsch angelegtes und dadurch verlorenes Geld stellt ein weitaus größeres Problem für alle Beteiligten dar.

Individuelle Voraussetzungen berücksichtigen

Bei der Vermittlung von Finanzprodukten innerhalb von Familie und Freunden besteht ein weiteres Problem, das häufig übersehen wird. Einnahmen, Ausgabe, Rücklagen und andere finanzielle Daten offenzulegen, fällt schwer. Die Hemmschwelle ist oftmals größer, wenn die Informationen mit Bekannten oder auch nahestehenden Verwandten geteilt werden sollen. Zugleich unterscheiden sich die Verteilung und die Prioritäten. Objektive Empfehlungen auszusprechen, wird damit nahezu unmöglich.

Gezielt Finanzprodukte zu empfehlen ist erst dann sinnvoll, wenn alle Details bekannt sind. Das gilt für die Ziele des Sparens oder Anlegens ebenso wie für die gesamte Übersicht von Einnahmen und Ausgaben. Anderenfalls können die Vermittlungen von Finanzprodukten allenfalls als grobe Ratschläge erfolgen.

Traditionelle Tipps nicht vernachlässigen

Nicht alle Spartipps sind mit dem Wahrnehmen von Finanzprodukten verbunden. Vor allem anfangs kann es deutlich hilfreicher sein, bewährte und traditionelle Tipps zu geben. Das gute alte Sparschwein und ein Haushaltsbuch können bereits eine hilfreiche Basis sein, um durch bewährte Spartipps Ausgaben zu reduzieren und Rücklagen zu bilden. Ausgehend hiervon wird es möglich, über Anlagen oder auch über Kredite zum Aufbau finanzieller Sicherheit zu gelangen. Bestenfalls sind dafür nur Beratungen und geringe Hilfen notwendig. Eine professionelle und unabhängige Beurteilung ist dabei die optimale Wahl. Die Tipps selbst samt einer individuellen Anleitung kann allerdings jeder geben. Gerade im engeren Kreis können sie sich deutlich mehr lohnen. Ob zu viel eingekauft wurde, Kleidung (nicht mehr) passt, der eigene Garten durch bestimmte Kniffe sehr einträglich ist oder eine Stärke bisher brachliegt, positive Erfahrungen und das Erkennen von Potenzial lassen sich jederzeit teilen. Ebenso kann Hilfe bei der Realisierung angeboten werden, ohne Risiken einzugehen.

Vermittlung bedeutet Vertrauen

Wer Finanzprodukte von sich aus, für Familie und Freunde oder an diese vermittelt, sollte sich der Verantwortung und des Vertrauens bewusst sein. Das eigene Geld einzusetzen, ist bereits eine Herausforderung. Andere zu einer Investition zu bringen oder einen Ratenkredit aufnehmen zu lassen, bedeutet zumindest anteilig, Verantwortung für diese Entscheidungen zu übernehmen. Hiermit geht ein nicht zu unterschätzender Druck einher. Obwohl niemand für eine Empfehlung zur Rechenschaft gezogen werden kann, wiegt das Verantwortungsbewusstsein schwer. Das gilt vorrangig dann, wenn sich die Option als enttäuschen oder sogar als Verlust erweist.

Zur Vorsicht ermahnen

Aufklärung über die Risiken sollte sich von selbst verstehen. Es gibt allerdings Konstellationen, in denen diese nicht ausreichend ernst genommen wird. Wurde vielleicht selbst das gleiche Finanzprodukt genutzt, können andere darauf mehr vertrauen und dadurch auch mehr davon erwarten. Dass sich Verwandte oder Bekannte verausgaben, sollte allerdings nicht das Ziel sein. Besser ist es, wiederholt zur Vorsicht und zu einem individuell angepassten Rahmen zu ermahnen. Hierdurch lässt sich ein Schutz kreieren, der zu großen Verlusten vorbeugt.

Finanzprodukte vermitteln, ohne zu vermitteln

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen kann es zu einer Schuldzuweisung und damit zu Brüchen in Beziehungen kommen, wenn Finanzprodukte zu offensiv vermittelt werden. Daher ist die bloße Erwähnung oftmals ausreichend, um bei Bedarf Interesse zu erwecken. Kommt es nicht zu Nachfragen, besteht eventuell kein Bedarf. Entscheidend ist, dass kein Druck aufgebaut wird. Die Aussage: „Ich habe mit xy gute Erfahrungen gemacht“, reicht aus, um bei Familie oder Freunden zumindest einen Eindruck zu hinterlassen. Ob dieser genutzt wird oder nicht, liegt im jeweilig eigenen Ermessen. Zu dem verantwortungsvollen Vermitteln von Finanzprodukten gehört es zudem, potenzielle Risiken und Nachteile zu erwähnen. Unrealistische Versprechungen zu machen, sollte hingegen vermieden werden. Im Idealfall werden Beratungen und Absprachen aufgenommen, um spätere Konflikte zu vermeiden und Schuldzuweisungen vorzubeugen. Denn funktioniert etwas nicht gewollt, kann sich das abträglich auf die Familie oder die Freundschaft auswirken.

Finanzprodukte vermitteln mit Bedacht

Ein lohnenswertes Angebot mit Freunden und Familie teilen zu wollen, ist natürlich. Dabei sollten jedoch auch alle potenziell möglichen Risiken einkalkuliert werden. Von negativen Auswirkungen auf den Ruf bis hin zu Brüchen bei den Beziehungen ist vieles möglich. Aus diesem Grund ist Vorsicht angeraten.

Check Also

Stethoskop

Versicherungspflicht in der Schweiz: Dies gilt es zu beachten

Die Schweiz hat, wie viele andere europäischen Länder auch, ein soziales Gesundheitssystem eingeführt, welches ebenfalls …