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Lebensbaum statt Tierkreiszeichen: Was ist dran am Baumhoroskop?

Lebensbaum statt Tierkreiszeichen: Was ist dran am Baumhoroskop?

Kennen Sie schon Ihr keltisches Baumhoroskop? Ähnlich wie das astrologische Horoskop schreibt es Menschen anhand ihres Geburtstages bestimmte Eigenschaften und Charakterzüge zu. Doch anstelle von zwölf Tierkreiszeichen begegnen wir darin 21 heimischen Baumarten – vom kreativen Ahorn bis zum abenteuerlustigen Zürgelbaum.

Entwickelt wurde dieses Horoskop in den 1940er Jahren vom britischen Autor Robert Graves. Im historischen Sinne „keltisch“ ist es also nur insofern, dass es auf Eigenschaften beruht, die die Kelten in ihrer Mythologie bestimmten Bäumen zuschrieben. Graves selbst beanspruchte keltische Wurzeln für sich, setzte sich intensiv mit den alt-irischen Legenden und Sagen auseinander, und avancierte zu einer prominenten Figur im so genannten „Gaelic Revival“, einer Renaissance der gälisch-keltischen Kultur in Großbritannien. Den Baumkalender präsentierte er zum ersten Mal 1948 in seinem Essay „Die weiße Göttin: Sprache des Mythos“, das bis heute in Buchform gedruckt wird.

Mythos und ein Fünkchen Wahrheit

Auch wenn seine Fantasie an vielen Stellen sicherlich mit eingeflossen ist: an Material schien es Graves in der umfangreichen Welt keltischer Sagen und Mythen nicht zu mangeln. Die Kelten lebten in einer engen Symbiose mit ihrer natürlichen Umwelt – jede Pflanze, jeder Baum und jede Mondphase hatte eine eigene Bedeutung, Geschichten und Einsatzgebiete. Die Druiden, der keltische Priesterstand, waren zugleich Geistliche und Mediziner, die über die Heilkräfte verschiedenster Pflanzen Bescheid wussten. So weit sind sich auch Historiker einig.

Doch da die alten Kelten eine orale Tradition pflegten und kaum etwas aufschrieben, ging der Großteil von ihrem Wissen verloren. Nur in der keltischen Sprache, die bis heute in verschiedenen Varianten von Gälisch weiter existiert, wurde so mancher Hinweis konserviert. So treffen wir heute im Baumhoroskop zum Beispiel Ailim, Saille und Coll an – die keltischen Namen für Tanne, Weide und Haselnuss.

Der Aufbau folgt der Bahn der Sonne

Zu Beginn ist es etwas schwieriger, sich im Baumhoroskop zurechtzufinden, als bei den Sternzeichen. Zwar hängt der Geburtsbaum ebenfalls vom Geburtsdatum ab, doch die zeitliche Einteilung ist komplex: 17 der 21 Bäume kehren zweimal pro Jahr wieder, meist zu gegenüberliegenden Zeitpunkten im Jahreskreis. So ist z.B. vom 12. bis zum 14. Januar die Zeit der Ulme, und dann wieder von 15. bis 25. Juli. Wer in diesem Zeitraum geboren ist, hat also die Ulme als Baumzeichen.

Ulmen gelten dem Horoskop zufolge als lebensfrohe Menschen mit einem starken Gerechtigkeitssinn. Kiefer-Geborene gelten hingegen als impulsive Praktiker, und Linden als ehrliche Romantiker.

Wie Graves wusste, spielten die großen Sonnenfeste eine besonders wichtige Rolle bei den Kelten. Die Sonnenwende und die Tag-und-Nachtgleiche waren ihre höchsten Feiertage. Zum Teil sind diese keltischen Bräuche auch noch in den christlichen Traditionen sichtbar – sowohl der Tannenbaum zu Weihnachten bzw. zur Wintersonnenwende, als auch der Osterhase (ursprünglich das Symbol der keltischen Fruchtbarkeitsgöttin Ostara) wurzeln darin. Im Baumhoroskop stellen die vier Sonnenfeste die Eckpunkte dar. Wer genau zur Sonnwende oder zum Äquinoktium geboren ist, hat somit einen ganz besonderen Lebensbaum: die Buche, die Birke, die Eiche oder den Olivenbaum.

Auch dabei lässt sich ein starker Zusammenhang zur keltischen Baum-Mystik erkennen. So weiß man, dass die Eiche bei den Kelten als Baum der Druiden galt, denn etymologisch leitet sich das Wort „Druide“ vom keltischen Wort für Eiche („Duir“) ab. Wenig überraschend, steht das Baumzeichen Eiche daher für Willensstärke und vielerlei andere Kräfte. Die Birke ist hingegen ein Symbol der Fruchtbarkeit, die Buche steht für Weisheit und Demut.

Neo-Druiden erforschen die Kraft der Bäume

Wissenschaftlich bestätigen lässt sich die Aussagekraft des Baumhoroskops freilich ebenso wenig, wie die der Sternzeichen. Das hält Neo-Druiden aber keinesfalls davon ab, die Eigenschaften und Kräfte von unterschiedlichen Bäumen weiter zu erforschen. Ein österreichischer Druidenzirkel wirbt damit, die Fähigkeiten aller 21 Bäume im Baumhoroskop zu kennen und bietet sogar an, basierend auf diesem Wissen einen personalisierten Druidenstab anzufertigen.

„Zirbenholz und Lärchenholz werden schon lange für ihre vitalen Kräfte eingesetzt, beispielsweise als Schlafzimmermöbel. Doch auch Esche, Kiefer und Co haben ganz besondere Fähigkeiten, die bei vielen Menschen eine starke Resonanz hervorrufen und sich vielseitig nutzen lassen“, erklärt uns Manuel, Sprecher des Druidenzirkels „Keltus“ und Betreiber eines Druidenladens.

Man kann das Baumhoroskop also durchaus als fundierte Alternative zur Astrologie betrachten, oder auch als kitschige Spielerei. Doch eine gewisse Faszination, die diese Aufteilung der Baumarten gemäß der jährlichen Bahn der Sonne auf uns ausübt, lässt sich nicht leugnen. Vielleicht, weil uns die Bäume einfach viel näher sind als die Sterne…