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Beziehungen gestern und heute – was hat sich geändert?
© Antonioguillem - Fotolia.com

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Es ist keine Neuigkeit, dass der Trend der klassischen Familie rückläufig ist. Immer mehr Ehen werden geschieden, die Geburtenzahlen sind rückläufig, Singles bevölkern die Großstädte. Diese Entwicklung hat mehrere Ursachen – Reform des Scheidungsrechts, Emanzipation der Frauen und höhere Bildungsstandards mit längeren Ausbildungszeiten sind nur einige.

Die Zunahme der Scheidungsrate legt die Vermutung nahe, dass ein Zusammenleben als Familie nicht mehr so stark präferiert wird, wie noch vor einigen Jahrzehnten. Umfragen zeigen allerdings, dass der Großteil der Bevölkerung eine stabile Beziehung (mit Kindern) für erstrebenswert hält. Was sich geändert hat, sind die Rahmenbedingungen für eine Ehe. Standen noch im letzten Jahrhundert wirtschaftliche Aspekte im Vordergrund (Mann als Haupt- oder Alleinverdiener), bilden heute emotionale Faktoren die Basis einer Ehe.

Romantik statt Absicherung

Heute geben sich zwei Menschen das Ja-Wort, wenn ihre Liebe so stark ist, dass sie den Rest des Lebens gemeinsam verbringen wollen. Gemeinsame Interessen, romantische Gefühle, identische Wertvorstellungen bilden die Voraussetzung für den Trauschein. In der Regel sind gerade zu Beginn der Ehe beide Partner berufstätig und finanziell unabhängig. Aus finanzieller Sicht treten daher die wenigsten den Weg zum Standesamt an. In dem Zuge, wie die Gründe für eine Ehe sich in Richtung Romantik verschoben haben, nahm gleichermaßen die Akzeptanz von Scheidungen in der Gesellschaft zu. Heute droht kein Ausschluss aus der Gesellschaft, wenn Trennung oder Scheidung bekannt werden. Die Hemmschwelle, die Ehe zu beenden, wenn sich Romantik, Verliebtheit und gemeinsame Ziele aus dem Alltag verabschiedet haben, ist somit deutlich geringer als noch vor 50 Jahren. Damals war sowohl aus wirtschaftlicher Sicht als auch gesellschaftspolitisch eine Scheidung ein Desaster.

Familie = Vater + Mutter + Kind?

© drubig-photo - Fotolia.com

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Auch wenn die Scheidungsrate auf dem Vormarsch ist, heißt das nicht, dass der Trend in Richtung weg von der Familie geht. Es gibt nur nicht mehr die eine typische Familienform: Vater, Mutter, (zwei) Kinder. Heute ist die Art des Zusammenlebens ein Potpourri an unterschiedlichen Möglichkeiten:

  • Klassische Familie (erste Ehe und gemeinsame Kinder)
  • Patchworkfamilie (z.B. zweite Ehe mit Kindern aus erster Ehe von mindestens einem Ehepartner)
  • Regenbogenfamilie (gleichgeschlechtige Partnerschaft mit Kindern)
  • Pflege- oder Adoptivfamilie
  • Mehrgenerationenfamilie (z.B. Großmutter und Mutter mit Kind)

Das Großwerden in einer Familie stellt für Kinder einen wichtigen Aspekt für eine gesunde emotionale Entwicklung dar. Durch die Entstehung der unterschiedlichsten Familienformen als Reaktion auf den Gesellschaftswandel wachsen auch in den Zeiten zunehmender Trennungen und kurzfristigerer Beziehungen drei Viertel aller Kinder in einer Familie auf. Über Glücklichsein oder Unglücklichsein entscheidet dabei nicht in erster Linie die Art der Familie, sondern die Vermittlung von Geborgenheit, Ehrlichkeit und Freundschaft. Kämpfe zwischen den leiblichen Eltern dürfen nicht auf dem Rücken der Kinder ausgetragen werden, neue Beziehungen sollten das Verhältnis zu den Kindern nicht überschatten, es darf keine Rivalität um die Zuneigung der Kinder entstehen.

Friends with benefits als Alternative zur Beziehung

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Im Gegenzug zu den unterschiedlichsten Familienformen, deren Basis Liebe und ein gemeinsamer Alltag sind, ist der Trend zu Friends with benefits zu beobachten. Aus dieser Freundschaft mit den besonderen Vorzügen wird bewusst alles herausgehalten, was eine echte Beziehung ausmacht: Liebe, gemeinsamer Alltag, langfristige gemeinsame Pläne, Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit.

Statt One-night-stand bietet Friends with benefits die Möglichkeit, Sex mit einem Vertrauten Freund zu haben, Spaß und Lust mit der Nähe einer echten Freundschaft zu verbinden. So praktisch das in der Theorie klingt, so absehbar ist das Ende meist in der Realität. Oft können Gefühle aus dieser Art der Freundschaft doch nicht gänzlich herausgehalten werden. Nicht zuletzt das Hormon Oxytocin sorgt dafür, dass einer der beiden Beteiligten mehr möchte und über langfristige Chancen nachdenkt. Der Wunsch nach echten Beziehungen ist in den Menschen eben doch stark verwurzelt. Diese einseitigen Wunschvorstellungen bedeuten dann meist nicht nur ein Ende der Freundschaft mit dem gewissen Extra, sondern ein Ende der Freundschaft generell – ein Zurück zu der Zeit ohne benefits ist oft zum Scheitern verurteilt.

Mehr zum Thema Liebe, Beziehungen und wie es auch in Krisensituationen weiter gehen kann, finden Sie hier im Online-Ratgeber.

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